Der Turmberg von Kasendorf - Teil 2

Hier geht es zum erstenTeil Der Turmberg von Kasendorf - Teil 1


HallstattzeitWehranlagenBeschreibung der Wehranlagengroßer Ringwallinnerer RingwallFrühlatènezeitSiedlungslückeEnde der Kelten


Dies ist der zweite von mehreren Artikeln in welchen es um den Turmberg und auch um die Geschichte von Kasendorf geht.

Der Zeitraum den ich in diesem Artikel beschreibe beginnt mit der Hallstattzeit und endet gegen Christi Geburt.

Der Artikel wird sich wohl noch einige Male ändern, da ich hoffe bessere Informationen zu den Grabungen und Forschungen zu bekommen. Es ergeben sich auch immer wieder mal neue Quellen oder Widersprüche welche dann dazu führen das ich etwas ergänze oder korrigiere.

Es sollte jedem Leser klar sein das ich Laie bin und letztendlich nur gesammelte Informationen wiedergebe Quellenangabe.

Für Hilfe, Hinweise und Korrekturen an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bin ich immer dankbar.


Dieser zweite Teil über den Turmberg beginnt wo der Erste zu Ende ging:

Aus der Urnenfelderkultur geht die Hallstattkultur fließend hervor.




Die Hallstattzeit



Die Hallstattzeit setzt man nördlich der Alpen im Allgemeinen ab ca. 800 v. Chr. an. In Kasendorf selbst war es evtl. 50 Jahre später wobei dieser Übergang ja sowieso wie gesagt fließend, also ohne Brüche erfolgte.

So waren die Brandbestattungen und Gräberfelder aus der Urnenfelderkultur auch noch in der Hallstattkultur üblich. Die Gräberfelder werden oft weiter genutzt. Der Trend geht aber langsam über zu teils prächtig bis protzigen Gräbern. Dies zeigt auch nochmal die zunehmende Differenzierung der Gesellschaft. In der auf die Hallstattzeit folgende Latènezeit (450 v. Chr bis ca Christi Geburt) wird dann schließlich die Brandbestattung durch die Körperbestattung ersetzt. Ebenso wie die Gräberfelder aus der Urnenfelderzeit werden auch viele Siedlungen in der Hallstattzeit nahtlos weiter genutzt und auch der Schmuck, die Waffen und die Gefäße bleiben weitgehend gleich. Das alles lässt auf ethnische Beständigkeit der beiden Kulturen schließen.

Aber es gibt auch gravierende Unterschiede. Wir befinden uns nun am Beginn der Eisenzeit (Zunächst wurde das Eisen wenig genutzt, spätestens in der folgenden Latènezeit hat es sich aber durchgesetzt). Es gibt eine sich klar abzeichnende Oberschicht der Gesellschaft. Wohl auch wegen der zunehmenden Hierarchisierung gab es vor allem in Bayern Einzelhöfe oder auch Herrenhöfe. Sie zeigen dass es zunehmend um Eigentum und Abgrenzung ging, evtl. auch um Selbstdarstellung. Außerdem gab es weitverzweigte, bis in dem Mittelmeerraum bestehende Handelsbeziehungen, die gut belegt sind. Man ordnet mittlerweile die “Osthallstattkultur” oft den Kelten zu. Ob (und wieweit) eine Gleichsetzung von Kultur, Sprache und Abstammung möglich ist gilt aber als fraglich.


Ein Artikel von Obermain.de In welchem es über einen Vortrag von Prof. Horst Claassen geht kommt zum Schluss dass die Menschen der Hallstattzeit in Nordbayern als “frühe Kelten” oder auch “Hallstatt-Kelten” angesehen werden können.

Untersucht hatte Professor Claassen hallstattzeitliche Grabhügel im Altmühltal(und deren “Bewohner”). Zitat aus dem Artikel:

Als Fazit ergab sich, dass die hallstattzeitlichen Skelette in Nordbayern Ähnlichkeit mit den Skeletten der historischen Kelten aus dem latenezeitlichen Manching haben und so als „frühe Kelten“ (Hallstatt-Kelten) angesehen werden können. Innerhalb zeitgleicher Serien von Skeletten bestünden Unterschiede zu Hallstatt (Osthallstattkreis) und zu Tarquinia (Etrusker), aber Ähnlichkeiten zu Baden-Württemberg (Westhallstattkreis). Ganz enge Beziehungen gebe es auch zu latenezeitlichen Serien der Nordschweiz. Daraus könne man schließen, dass sich im hallstattzeitlichen Mitteleuropa Kelten aus Süd- und Mitteldeutschland sowie aus der Nordschweiz und Frankreich in eine Westgruppe, Kelten aus Österreich hingegen in eine Ostgruppe einfügen.



Auch die Quellen welche sich mit dem Turmberg in Kasendorf beschäftigen nennen die Kelten als Bevölkerungsgruppe zur Hallstattzeit. Zitat Dieter Schmudlach

Die Hallstattzeit ist die erste vorgeschichtliche Epoche, die man mit ziemlicher Sicherheit einer bestimmten Volksgruppe zuweisen kann. Nach den ersten schriftlichen Überlieferungen griechischer und römischer Schriftsteller (Livius, Herodot, Polybios und Diodoros) waren dies die Kelten. Daher wird in der neueren Forschung die Hallstattzeit oft auch als frühkeltische Periode bezeichnet.



Als repräsentative Bodendenkmäler der Hallstattzeit nahe des Turmbergs möchte ich das Gräberfeld des Pfarrwaldes mit der nahen Siedlung nennen. Die Siedlung war wenige hundert Meter leicht nordöstlich zum Gräberfeld, bzw. zum heutigen Pfarrwald. Auch am Görauer Anger, nahe an Görau gibt es ein größeres Hügelgräberfeld welches jedoch auch schon Funde aus der Bronzezeit preis gab (Ein Schwert von etwa 1000 v. Chr. welches heute im Museum in Bayreuth ist.).

Funde aus der Hallstattzeit sind hier z.b. die seltenen Wagen Reste. Sie wurden in zwei Gräbern gefunden, und auch gleich zerstört...Man warf die Eisenreifen weg und hob nur eine eiserne Radbüchse auf. Solche Wägen bedeuteten zu dieser Zeit eine hohe Stellung in der Gesellschaft. Im Bayernatlas kann man die Grabhügel mit der entsprechenden Reliefkarte sehr schön erkennen.



Die Wehranlagen



Auf dem Turmberg gibt es zum Ende der Hallstattzeit wohl schwache Befestigungsanlagen, im Landschaftsmuseum Obermain liest man von einer “kleineren Adelsburg” die es hier vermutlich auf dem Plateau gab. Zeitlich befinden wir uns nun ca im 6 Jahrhundert vor Christus.

Im 5. Jahrhundert vor Christus, zur Latènezeit wird der Turmberg erstmals stark befestigt. Die Kelten errichten eine starke Pfostenschlitzmauer als äußeren Rundwall und eine zweite Ringmauer im Inneren der Ersten. Diese Pfostenschlitzmauern hatten zu den Fronten Steine und dazwischen wurde der Raum mit Geröll oder Ähnlichem befüllt. Die hölzernen Pfosten wurden stützend zwischen die Mauersegmente eingebaut. Da das Holz der Pfostenschlitzmauern irgendwann verrottet fallen die Mauern dann in sich zusammen.

Allgemein gab es solche Mauern beidseitig mit Steinen verblendet (innen und außen), oder nur mit der Front, also nach außen mit einer Steinverblendung. Die Rückseite war dann eine Erdrampe welche man vom Inneren der Befestigung besteigen konnte. Wie das am Turmberg war habe ich noch nicht zufriedenstellend herausgefunden. Möglicherweise waren die Mauern der Frühlatenezeit am Turmberg allgemein an der Vorder- und Hinterfront verblendet (Tafel 14 am Turmberg) und nur der Abschnittswall hatte an der Hinterfont keine Verblendung (Bild auf Tafel 15).


Bei den Bildern muss man sich auch immer vor Augen halten das damals, im Vergleich zu heute, sehr wenig Bäume vorhanden waren


Dieses alte Bild zeigt noch am ehesten wie die Landschaft um Kasendorf ohne Bäume war
Dieses alte Bild zeigt noch am ehesten wie die Landschaft um Kasendorf ohne Bäume war



Gefunden wurde die äußere Mauer bei einer Notgrabung, nachdem Arbeiter, die 1928 an einem Weg nach Neudorf arbeiteten, beim Durchstoßen des Walles einen Ring fanden. Ein Kulmbacher Goldschmied erkannte das bedeutende Alter des Fundes. Es handelt sich um einen bronzenen Knotenarmring aus der Latènezeit. In der folgenden Notgrabung (fast alle Grabungen am Turmberg waren Notgrabungen...) wurde dann die Mauer erkannt. Man grub in einem mächtigen Abschnittswall (so werden Bollwerke bezeichnet welche eine bestimmte Stelle, also einen Abschnitt schützen), welcher heute noch bis zu 5 Meter hoch ist. Im 10. Jhdt. n. Chr. wurde er in ottonischer Zeit überbaut. Er sollte auf ca. 140 m - 160 m die schwächste Stelle im Osten des Turmbergs schützen. Hier gibt es keine schützende Steigung was diesen Abschnitt zum schwächsten macht. Der Abschnittswall ist jedoch wie erwähnt nur der stärkste, östliche Teil eines kompletten Ringwalls.


Der Abschnittswall schützt die schwache Stelle
Der Abschnittswall schützt die schwache Stelle




Beschreibung der Wehranlagen (nur bis zur Latènezeit)


Laut Max Hundt (er grub am Turmberg 1932-1938) benötigte man alleine für den Außenumfang des Walles 30 000 Kubikmeter Steine, welche wohl im Tal herausgebrochen wurden. Er schätzte dass hierfür 400 Mann ein halbes Jahr hätten arbeiten müssen. Wo genau die Steine gebrochen wurden habe ich nicht herausgefunden.

Die Anlage zur frühen Latènezeit besteht aus zwei Ringwällen. Der Große wurde oben ja schon erwähnt. Dieser längere Ringwall war eine Pfostenschlitzmauer welche heute verfallen aber noch an vielen Stellen als Wall zu erkennen ist. Sie liegt ungefähr auf halber Höhe des Berges und hatte wohl drei Tore welche auch heute noch Durchgang bieten. Der kleinere innere Wall umschloss das Plateau des Berges. Er hatte im Südwesten ein Tor und möglicherweise erst zu späterer Zeit ein weiteres im Südosten.




Betrachten wir zunächst den großen Ringwall:


Diese Mauer umschloss mit einer Länge von ca. 1,3 Kilometern ca. 14 Hektar Fläche. Ihre Höhe lag bei bis zu 5 Metern. Sie verläuft ungefähr auf halber Höhe des Berges. Der mächtig Abschnittswall welcher den östlichen Teil der Mauer bildete war 20 Meter breit und, wie schon erwähnt, extra stark gebaut um die strategisch schwache Stelle zur östlichen Hochfläche zu schützen. Ihm war wohl auch ein seichter Graben vorgesetzt.


Diese äußere Mauer hatte 3 Tore: im Norden, Nordosten und im Westen. Am nordöstlichen Tor kann man 2 zusätzliche Wälle innerhalb der Anlage ausmachen welche spitz aufeinander zulaufen, deshalb geht man davon aus dass dies das Haupttor war.

Auch heute noch führt hier der Hauptweg durch den Wall. Allerdings kommt man, am Abschnittswall entlang von Nordosten zum Durchgang. So würden Angreifer mit dem Schildarm zur Mauer stehen und die Attacken von dort besser abwehren können. Das ist beim meist durchdachten, extra gesicherten Haupttor schon verwunderlich.


Rekonstruktion des Osttores des Oppidum Manching (Keltenmuseum Manching)
Rekonstruktion des Osttores des Oppidum Manching (Keltenmuseum Manching)

Quelle Urheberin: Anja Mößbauer



Man könnte hier spekulieren dass der Weg bei der Errichtung des Tores entweder frontal zum Tor führte oder von der anderen Seite kam. Allerdings sieht es dort heutzutage nicht so aus als wäre dort je ein Weg gewesen.

Betrachtet man die 2 zusätzlichen kleinen Wälle hinter dem Tor so fällt auf das sie im Norden den großen Wall scheinbar berühren, im Südosten, also am anderen Ende aber nicht, hier ist der Weg frei. Man kann deshalb die Vermutung anstellen dass die kleinen Wälle den Weg in Richtung Südost umleiteten. Der Weg würde also nicht wie heute weiterverlaufen sondern ein Stück am Abschnittswall zurückgehen. So würde hinter dem Tor eine Pufferzone geschaffen.

Ich spekuliere hier recht frei, bin aber auf diesen Gedanken gekommen weil der heutige Weg sehr in die kleinen Wälle einschneidet und auf dem gezeichneten Plan die Wälle sich direkt berühren. Nimmt man man die Lage der Wälle vor Ort in Augenschein so ist die Lage eher unübersichtlich. Der nördliche Arm des kleineren Walls ist nur noch zu erahnen.

Die Infotafeln am Westtor und am Nordosttor beschreiben auch ein Zangentor, es wird aber nicht deutlich gesagt ob die Tore auch wirklich Zangentore waren. Bei Zangentoren waren die seitlichen Mauern des Tores nach innen gezogen sodass eine Gasse entsteht in welcher man den Gegner in die Zange nehmen konnte (siehe Bild mit dem Tor von Manching). Betrachtet man die Reliefkarte oder das 3d Modell so sieht das Westtor eher wie ein ehemaliges Zangentor aus. Am Nordosttor kann ich hier keine Hinweise auf ein Zangentor erkennen, weder vor Ort noch auf den Reliefbildern. Vielleicht war auch das Westtor das Haupttor. Vermutlich können solche Fragen aber nur durch Grabungen geklärt werden.


Es ist naheliegend dass das westliche Tor auch für die Siedlung aus der Frühlatènezeit da war, welche auch im Westen, bzw nordwestlich lag. Auch der Friesenbach musste einfach und möglichst sicher erreicht werden können. Er fließt nordwestlich teilweise zwischen der Siedlung und dem Turmberg.




Betrachten wir den inneren Ringwall:


Dieser zweite Ringwall umgibt das Plateau des Turmbergs. Im Südosten wurde dieses Plateau künstlich versteilt was den Wall ergänzt. Vor dieser Absteilung ist wiederum ein seichter Graben. Im Südwesten liegt das Tor dieses Walls. Eine Weg führt von Süden bzw südost kommend auf einer Steilstufe zum Tor. Er wurde längs zum Wall angelegt und ist so zusätzlich geschützt. Diese Toranlagen waren immer “rechtsläufig” angelegt, sodass mögliche Angreifer immer mit dem rechten Waffenarm zur Wehranlage standen und der linke Schildarm nutzlos auf der anderen Seite war.

Am östlichen Ende der schon erwähnten Absteilung im Südosten des Plateaus finden wir heute eine weitere Rampe welche besagtes Steilstück längs von Südosten kommend hinauf führt. Hier war in späterer Zeit sicher ein weiterer Zugang. Ob er auch schon bei den Kelten hier war kann ich nicht sagen.

Heute ist es der Hauptweg zum Turm, und der einzig befahrbare. Es wurde aber an der gesamten Befestigungsanlage in späterer Zeit noch sehr viel gebaut und somit verändert. Der auffällige Wall welcher das Plateau etwa drittelt stammt beispielsweise aus dem Hochmittelalter. Er mündet dann auch nahe der Des Zugangs, evtl. wurde hier also später (erst?) viel umgebaut.


Beim Lesen der Quellen irritierten mich widersprüchliche Aussagen:

Im Heimatbuch von Kasendorf steht:

Wohl gleichzeitig mit der 1300 meter langen Holz-Stein-Erde-Mauer wurde auch das 2,7 ha große Gipfelplateau des Turmbergs befestigt.


Daraus schloss ich, dass der innere Wall 2,7 ha umfasste. Misst man die Fläche nach so wäre das recht genau der Fall wenn der Kapellenacker mit umschlossen würde. Und hier finden sich ja stellenweise auch Wallreste (über die man sonst wenig liest).

Im Buch “Archäologischer Führer Oberfranken” von Prof. Dr. Björn-Uwe Abels liest man:

Innerhalb des großen eisenzeitlichen Ringwalls liegt auf dem Gipfelplateau des Turmbergs eine zweigeteilte, 1 ha große Befestigung.


und auch auf der Webseite www.landschaftsmuseum.de wird von einem Hektar gesprochen:

Innerhalb des großen eisenzeitlichen Ringwalls erhebt sich das Gipfelplateau des Berges mit einer zweiteiligen 1 ha großen Befestigung.


Misst man ohne den Kapellenacker, so kommt man auch in etwa auf einen Hektar. Die Wälle am Kapellenacker könnten auch zu anderen Mauern aus anderen Zeiten gehören. Vielleicht waren es nie Mauern. Man würde den Kapellenacker aufgrund der Absteilung die ihn vom Plateau trennt eher auch nicht zum Plateau zählen.




Frühlatènezeit


Zum Ende der Hallstattzeit bildeten sich in Süddeutschland zunehmend Herrschaftsverhältnisse heraus welche ähnlich wohl auch am Turmberg zu finden waren. Ohne entsprechende Herrschaftsstrukturen wären solche Befestigungsanlagen wohl nicht möglich gewesen (und vielleicht auch nicht nötig). Die Aufteilung durch den inneren Ring spricht möglicherweise für besonders geschützte Bereiche wie Adels Gebäude o.Ä.

Man kann davon ausgehen dass die gesamte Anlage auch als Fluchtort für die Bevölkerung und Tierherden der Umgebung diente.

Im Inneren der Befestigungsanlage fand man Keramik welche eine dichte Besiedlung innerhalb der Mauern belegen. 1985 wurde an der Straße bzw dem Feldweg gebaut welcher direkt am Turmberg teils über die Flur von Kasendorf nach Neudorf führt. Dieser Weg liegt zu einem großen Teil direkt am südlichen Abschnitt des äußeren Walls. Dabei stieß man auf Gruben, die wiederum Notgrabungen veranlassten. In diesen Gruben innerhalb des Walls fand man Mahlsteine, tönerne Spinnwirteln und ebenfalls tönerene Webgewichte.


Man fand auch zwei gut erhaltene Gefäße. Diese lagen in einer Eintiefung innerhalb einer Grube. Sie waren in einer dicken Schicht aus verbranntem Lehm eingebettet. Die Funde, darunter auch weitere Mahlsteine und Scherben, zeigen starke Spuren von Feuer. Das Haus wurde wohl von Flammen zerstört. Die Tafel Nummer 16 folgert sogar:

Die Gefäßreste wiesen Spuren starker Hitzeeinwirkung auf, die beiden Mahlsteine waren augenscheinlich zerschmettert worden. Auch hatte man die Häuser wohl im Kampfe zerstört


Diese Funde legen nahe dass an eben dieser Stelle die Wohnhäuser im Schutz der Mauer standen. Die Handwerkstätten Und Schmelzöfen standen vermutlich schon wegen der Feuergefahr in einigen Abstand zu den Wohnhäusern. Max Hundt vermutete dass die Öfen am Hang standen, wo man die Aufwinde zum Befeuern nutzen konnte.


Ich habe mich länger gefragt woher man die Rohstoffe hatte. Für die Metalle hätte ich vermutet das es irgendwo Schürfgrubenfelder geben muss. In Kelheim gibt es solche Felder die man mit ihren vielen Gruben leicht erkennt. Die Menschen haben dort Stollen in den Boden gegraben um das Erz zu gewinnen. In unserer Umgebung fand ich nichts Ähnliches, zumindest nichts was auf die Hallstatt- oder Latènezeit datiert ist. Im Heftchen “Heimatbeilage - Der Fritz-Hornschuch-Naturpfad bei Kasendorf ” fand ich dann den Hinweis das Dieter Schmudlach bei einem Vortrag zu diesem Thema erklärt hat wie man aus Bohnerz Knollen und verschiedenen Limonitsorten Eisen gewinnt. Im Heft liest man:

Durch Reduktion des zerkleinerten Erzes mit Holzkohle entstand bei Temperaturen von 1100 - 1400 Grad Celsius neben der flüssigen Schlacke teigiger Eisenschwamm oder stark mit Schlacke duchsetzte Eisenluppe. Diese wurden nochmals auf dem Feuer aufgeheizt, um das Eisen von der Schlacke zu befreien


Hier wird davon gesprochen dass diese Knollen gesammelt und aufgelesen werden. In der Kasendorfer Gegend kommt aber auch der eisenhaltige braune Jura vor. Ob dieser genutzt wurde konnte ich bis jetzt aber noch nicht herausfinden.

Da man zu dieser Zeit auch von einem florierenden Handel ausgehen kann ist dieser wohl auch eine mögliche Rohstoffquelle.


Aufgrund der Funde und der Ausmaße der Anlage kann man schließen dass der Turmberg in der Hallstattzeit und der frühen Latènezeit zu den wichtigsten Machtzentren Oberfrankens (neben dem Staffelberg und dem Walberla) gehörte. Er war ein Zentrum für die Verwaltung, das Militär den Handel und wohl auch für die Kultur eines größeren Herrschaftsbereich (wie groß in etwa konnte ich leider nirgends finden, würde mich aber sehr interessieren. Ging er bis zu den Herrschaftsgrenzen der anderen Machtzentren oder nur ein paar Kilometer?).




Siedlungslücke


Zum Ende der Frühlatènezeit reißen die Funde in der Region um den Turmberg ab. Aus der Latènezeit gibt es wohl nur Funde vor und aus dem 4. Jhd v. Chr. Die nächsten Funde datieren hunderte Jahre nach Christi Geburt. Ich habe auch mit Hilfe des Bayernatlas keine näheren Bodendenkmäler gefunden die ca. zwischen 300 v Chr. und 300 n. Chr. liegen.

Das Fehlen der Funde wird damit erklärt das die Bevölkerung verschwand. Trotz Allem was sie sich geschaffen hatten. Es setzte sich anschließend auch lange Zeit niemand ins gemachte Nest. Man spricht in ganz Oberfranken von einer Siedlungsleere Oft liest man von einer Siedlungsleere in Oberfranken aufgrund der Fundarmut von ca. 0-800 n Chr. Manchmal wird diese Fundlücke auch schon ins 4. Jahrhundert v Chr. gelegt.

Allerdings gab es durchaus immer wieder vereinzelte Funde aus dieser bewegten Zeit (auch die Völkerwanderung fällt in diese Zeit). Zum Beispiel auch eine Fibel am Turmberg. Womöglich gab es weniger Besiedelung oder / und die Leute waren mehr in Bewegung und siedelten oft um. Festzuhalten ist dass es deutlich weniger Funde gibt die beim Nachweis von Siedelung etc. helfen würden. Allgemein fällt es schwer an eine so lange Siedlungslücke in ganz Oberfranken zu glauben.

Ein Erklärungsversuch für das Verschwinden der Menschen ist dass sie an Expansionen und Feldzügen im Süden teilnahmen: Ab ca. dem 4. Jhd. V. Chr. dringen die Kelten immer wieder und zunehmend in den Süden vor.


  • Beispiele hierfür:

  • So belagert beispielsweise der keltische Feldherr Brennus um 387 v Chr. Rom.
  • 279. V. Chr. dringt ebenfalls ein Brennus (man geht eher von einem Titel als von einem Namen aus) bis nach Delphi vor.
  • Die keltischen Krieger, welche gerne mal die Köpfe ihre Feinde abschneiden und sammeln. (wie griechische und römische Schreiber behaupten und Darstellungen auf Münzen auch beweisen) dienen auch, zum Beispiel unter Dionysios I. von Syrakus als Söldner.
  • Strabon berichtet unter Berufung auf einen General Alexanders von Makedonien, nämlich Ptolemaios I. Soter , das Alexander um 335 v Chr. ein gutes Einvernehmen mit den Kelten suchte. Nach dem Tod Alexanders 323. v. Chr. griffen die Kelten aber vermehrt die Teile seines Reiches an.
  • Bernhard Maier schreibt im Buch “Die Kelten: Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart”:

    Nachdem keltische Scharen um 280 v. Chr. Thrakien, Makedonien und Illyrien verheert hatten, fielen sie ein Jahr später von Thrakien aus in Thessalien und Griechenland ein.



Warum sie ihre Heimat verließen und nach Süden vordrangen ist nicht wirklich geklärt. Klimaveränderungen zu dieser Zeit könnten eine Rolle gespielt haben. Eine weitere Vermutung ist, dass materielle und kulturelle Mängel (die vielleicht durch die Klimaänderung eintraten) der eigenen Heimat den Süden attraktiver machten. Letztendlich ist das aber Spekulation.

Eine Quelle (“Heimatbeilage - Der Fritz-Hornschuch-Naturpfad bei Kasendorf ”) schreibt auch von einer Abwanderung der Kelten aus dieser Region, wird aber deutlicher und nennt eine größere Massenabwanderung gen Böhmen.


Im Gegensatz zum Turmberg beherbergte der Staffelberg fast bis zum Ende der Latènezeit gegen Christi Geburt seine keltischen Bewohner. Hier fand ich einen interessanten Artikel, bzw. ein Interview welches das Magazin “Obermain Jura Das Magazin” mit dem Archäologen Markus Schußmann führte. Schußmann gibt fundiertere Erklärungen für das Verschwinden der Kelten in Bezug auf den Staffelberg: Die Kelten hatten eine weit entwickelte Gesellschaft. Ihre Handwerker waren spezialisiert, der Handel war weitreichend und ihre Adeligen führten sie an. Die führende Elite am Staffelberg lebte hinter einem zweiten Wall welcher ihnen zusätzlichen Schutz bot.

Das erinnert natürlich stark an den inneren Wall am Turmberg.

Auf dem Staffelberg wurden innerhalb dieser zweiten Mauer unter Kontrolle der Anführer auch Münzen geprägt. Dieses System war fortgeschritten, teils vielleicht schon nahe an einer Hochkultur, aber auch anfällig.

Schußmann im Interview des Magazins hierzu:

Wir wissen, dass etwa 80 vor Christus das Wirtschaftssystem zusammenbricht. Es kommen keine Importe mehr aus Italien: Wein, Glas- oder Bronzegefäße sowie Nahrungsmittel. Dieser Handel kommt zum Erliegen. Nun wird es schwierig, diese großen Siedlungen mit ihren komplexen Strukturen zu erhalten. Der Adel gibt die Siedlungen auf, die Handwerker verschwinden. Dann gibt es für diejenigen, die bäuerlich geprägt waren, keinen Grund mehr, dort zu bleiben. Sie ziehen sich wieder aufs Land zurück.


Auch im Oppidum von Manching werden 80 v. Chr. keine Amphoren und Güter mehr angeliefert. Das zeigt die Reichweite des Problems.


Update hierzu(10.08.2018):
Ich möchte auf den Staffelberg nochmal genauer eingehen:

Die Kelten siedelten nicht durchgehend auf dem Staffelberg. Der Ablauf war wohl grob geschildert folgendermaßen:

Zum Ende der Frühlatènezeit verließen auch die Kelten des Staffelbergs ihr Heimat und damit auch die Befestigungsanlage. Diese beschränkte sich noch hauptsächlich auf das obere Plateau des Berges, der "Akropolis". Das erklärt auch die Aussage von Dr. Klaus Schwarz in der Bayerischen Rundschau Kulmbach, vom 20.06.1976, in welcher er dem Turmberg Kasendorf zur Hallstattzeit eine möglicherweise größere Bedeutung zuschreibt als dem Staffelberg. Die frühen Kelten zogen dann vermutlich auch Richtung Süden. Die Gründe hierfür waren wohl auch die Klimaveränderung. Doch im Gegensatz zum Turmberg siedelten am Staffelberg in der Spätlatènezeit wieder Menschen mit keltischer Kultur. Sie errichteten sogar eine Großstadt, das Oppidum welches möglicherweise "Menosgada" hieß.

Das Verschwinden der Kelten des Oppidums erklärt sich dann aus mehreren Gründen. Das Wirschaftssystem bricht zusammen. Die Germanen haben mehr Einfluss. Die Kultur der Kelten ist also geschwächt und vermischt sich dann mit der der Germanen. Vermutlich wandert die keltische Bevölkerung des Oppidums zunächst in die ländlichen Gebiete, dort ist sie nicht mehr so organisiert und ausgestattet wie bisher und geht dann nach und nach in der germanischen Bevölkerung auf.

Später gab es dann auf dem oberen Plateau des Staffelbergs auch eine germanische Befestigung.


Update Ende


Durch das Zurückweichen der Kelten konnten die Germanen dann wohl übernehmen.

Interessanterweise findet sich auf dem Staffelberg, wie am Turmberg, deutliche Brandspuren, die am Staffelberg das Ende der dortigen Siedlung bedeutet haben könnten. Ob das Feuer durch Feinde, ein Unglück oder die Bewohner selbst entstand ist offen. Als weitere Parallele zum Turmberg (neben dem inneren Wall) finde ich es zumindest erwähnenswert. Am Turmberg ist aber nicht gesagt dass das Feuer mit dem Ende der Besiedlung zu dieser Zeit einhergeht, außerdem endete hier die Besiedlung durch die Kelten ja hunderte Jahre früher.




Wie ging es mit den Kelten weiter?



Die Kelten hatten also Abwanderungen, wirtschaftliche Probleme, deswegen wohl auch gesellschaftliche Probleme und den teils auch militärischen Druck einerseits durch die Germanen andererseits durch die Römer. Das schwächte sie. Die Germanen und Kelten lebten wohl einige Zeit nebeneinander. Vermutlich profitierten die Germanen von der weiter entwickelten Kultur und Technik der Kelten, was wiederum mehr Germanen anlockte. Die Kelten waren bald in der Minderheit und wurden verdrängt. Viele wanderten aus. Auch nach Frankreich, also Gallien.

In Gallien wurde Vercingetorix von Julius Cäsar besiegt. In Folge fiel Gallien an die Römer. Die gallischen Kelten nahmen teils die römische Kultur an, dies führte zur gallorömischen Kultur (im Westen). Im Osten spricht man von der norisch-pannonischen Kultur . Diese geht aber letztendlich auch in den Germanen auf.

Die Germanen sind dann auch die Ersten welche im dritten Artikel eine Rolle spielen werden.

Hier endet der zweite Teil um den Turmberg. Wenn der dritte folgt werde ich ihn hier verlinken.

Für Anregungen Ideen und Ergänzungen sind wir dankbar

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